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Kommentar zur Erklärung zur Informationsfreiheit

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Technisches KO in der 0. Runde

Von Valentin Hilbig, 25.02 2002, 14:56:43

Ich habe nichts dagegen, wenn der deutsche Staat rechtswidrige Inhalte nicht duldet. Denn das ist Gesetz und da ist, eingedenk unserer Vergangenheit, in meinen Augen auch gut so.

Das Problem ist aber, das diese Form der Sperrung technisch über das notwendige Maß hinausschießen muß, so daß jegliche derartige Maßnahme unerträglich wird.

Denn solch eine Sperre ist rein technisch nur so zu implemenentieren, indem man rechtlich einwandfreie Inhalte ebenfalls sperrt – dies kommt einer Zensur gleich. Wenn in einer Bibliothek in einem Regal zwischen all den anderen Büchern eines mit illegalem Inhalt steht, dann entfernt man doch auch nicht gleich das ganze Regal mit allen anderen Büchern darin!

Einzig technisch korrekt implementierbare Methode um eine einwandfreie und selektive Sperrverfügung hinreichend (nicht einmal umfassend!) durchzusetzen ist, daß man eine Software installiert, die dem Bürger beim Surfen quasi über die Schulter sieht und illegale Inhalte unterdrückt. Dies wiederum ist ein Eindringen in die Privatsphäre des Bürgers die dem Zweck bei weitem nicht angemessen ist.

Das Internet mit seiner Technologie zeigt hier Fehler auf die in der Vergangenheit in den Prämissen gemacht wurden. Es ist so, daß das Prinzip der Freiheit der Information eben nicht durch eine Kleinigkeit eingeschränkt werden kann. Entweder man ist schwanger, oder man ist es nicht. Es gibt kein Zwischending zwischen »vollständiger Kontrolle« und »absoluter Informationsfreiheit«. Möchte man Information kontrollieren, egal in welch beschränktem Umfang, erreicht man heute unmittelbar einen Zustand, der der »vollständigen« Kontrolle einer totalitären Regierung gleichwertig ist.

Aber jegliche »vollständige« Kontrolle des Internet ohne die vollständige Kontrolle des Bürgers ist heute schon Illusion. Projekte wie freenet.sourceforge.net, die mittlerweile berüchtigten Peer-to-Peer Systeme wie Mojo, Kaza etc., machen ein solches Ansinnen unmöglicher als unmöglich. De fakto ist das Netz jeglicher Kontrolle entglitten, heute schon und für alle Zeit.

Sich dagegen zu wehren ist unmöglich. Dies tun nur Leute die ihrer Zeit entweder hinterherhinken, oder diese zurückdrehen wollen.

Damals, im Kalten Krieg, mit dem klaren horizontalen Feindbild, da war alles noch einfach. Aber wir leben im 3ten Jahrtausend, im Jahrtausend der WTC-Katastrophe, des Cyberpunk und des vertikalen Krieges, in dem die reichen Länder die armen Länder bombardieren. Und wir müssen uns entscheiden:

Sind uns unsere Ideale wichtig, oder geht es uns nur um pure Macht?

Ich unterzeichne diese Erklärung/Petition weil ich ebenfalls der Meinung bin, daß wir die Macht haben unsere Ideale zu verteidigen. Und zwar auf politischem Weg, ohne neue Verbote usw. zu erlassen.

Bis hier standen nur Fakten, ab hier kommt meine private Meinung:

Die politische Lösung ist in meinen Augen der einzig gangbare Weg, denn das Internet erkennt Zensur als Fehler und Fehler werden automatisch umgangen. Das Internet ist kein auf Technik beschränktes Gebilde. Es ist das Netz der Netze. Es ist somit nicht nur unteilbar, sondern auch politische Netzwerke sind per Definition Teil des Internet, unabhängig davon ob sie es wahrhaben wollen oder nicht.

Der politische Weg ist sicher nicht der einfachste. Vielleicht sind wir auch gezwungen, unsere Position aufzugeben und bestimmte Einschränkungen zu Gunsten einer internationalen Regelung aufzugeben. Vielleicht wir es nie eine Lösung geben, oder die Notwendigkeit einer Lösung wird von sich aus obsolet.

Wichtig dabei ist nur, daß wir unsere Freiheit bewahren. Und dabei dürfen wir nicht nur an uns selber denken, denn nur wenn wir um uns herum Freiheit schaffen können wir selber in Freiheit leben. Aber durch Verbote erreicht man das niemals.

-Tino



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Kommentare



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    O-Töne: Die Wahrheit aus Düsseldorf
    Siehe auch: Assoziations-Blaster zum Thema Informationsfreiheit
    Nur Spammer wollen E-Mail-Adressen kaufen, sammeln, verkaufen. Also lassen Sie das.